Schachtaktik 2 – Muster der Meister

Schachtaktik 2 - Muster der Meister

Inzwischen dürften wir taktisch schon recht fit sein, da vor allem die DVD von IM Martin Breutigam „Schachtaktik 1 – Kombinieren lernen“ schon zu unseren Alltagsaufgaben gehören dürfte. Aber wer wären wir, wenn wir nicht noch einen Schub zulegen würden? Hierzu passt die nächste DVD in der Reihe „Schachtaktik 2 – Muster der Meister“ wiederum unter der Leitung von IM Breutigam. Wohingegen es bei der ersten DVD um die Basics, wie z. B. Doppelangriffe oder diverse andere taktische Elemente und Königsangriffe, ging, baut diese zweite DVD direkt auf dem Vorgänger auf, wodurch das Niveau gesteigert wird. Vorweg genommen, Freibauern nehmen auf dieser DVD einen wichtigen Platz ein, was nicht ganz unberechtigt ist!

Aufbau

Auf der DVD sind 35 Clips mit einer Gesamtspielzeit von fast 6,5 Stunden und über 200 Stellungen vorzufinden. Der Stil der Präsentation ist gleich geblieben, das heißt, dass jeweils in einem Übersichtsclip das Thema mit Beispielen behandelt wird, und anschließend folgen 10 Testaufgaben, die es zu lösen gilt. Diese werden natürlich daraufhin in einem separaten Clip ausführlich erklärt.

Inhalt

Breutigam teilt die DVD in fünf Kapitel, welche wie folgt gegliedert sind:

1) Kandidatenzüge und Königsangriff:

Schon seit Alexander Kotov, der die Definitionen für Kandidatenzüge und Variantenbaum präzisierte, ist bekannt, wie die optimale Rechenarbeit ablaufen soll. Zuerst werden die Kandidatenzüge aufgelistet und der Reihe nach berechnet, aber jeden Zug nur 1 Mal! Wer aktiv Schach spielt, weiß, dass das kaum möglich ist. Hier wird diskutiert, wie man diese Kandidatenzüge finden kann.

Zusätzlich werden in diesem Kapitel Motive für Königsangriffe behandelt, eines hiervon sehen wir im folgenden Beispiel, Schwarz zieht und gewinnt:

MdM3

1. … Taxb8! 2. Txb8 Te6 3. Tf8 Tg6 und das Spiel ist vorbei…Der weiße König kann diesem Druck nicht standhalten.

2) Bauerndurchbruch, starke Freibauern und Freibauern bilden:

Ein beträchtlicher Teil der DVD befasst sich mit Bauern, insbesondere mit Freibauern. Wie bildet man diese und setzt sie ein, damit sie stark werden, oder wendet die Partie mit Hilfe eines Bauerndurchbruches zu seinen eigenen Gunsten? Bauern sind wohl die komplexesten Figuren auf dem Schachbrett, sie schlagen anders als sie ziehen, sie können nicht zurückziehen und am Schluss können sie sich sogar in eine andere beliebige Figur umwandeln. Dazu kommt, dass ein Bauer, je weiter er in die feindlichen Lager eingedrungen ist, enorm an Wert gewinnt. So gilt hier nicht mehr, ein Bauer ist nur 1 Punkt wert.

Wer kennt diese Stellung denn nicht, sie dürfte schon rund um die Welt gegangen sein, aber es geht um ein grundlegendes Prinzip, den Bauerndurchbruch. Weiß am Zug:

MdM7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spätestens nach längerem Herumprobieren wird klar, auf „normalem“ Wege ist die Partie nicht zu gewinnen, es muss ein kleiner Trick her, und zwar 1. b6! Wenn nun axb6 folgt sehr stark 2. c6! und einer der zwei übriggebliebenen weißen Bauern wird zur Dame. Falls 1. … cxb6 folgt analog 2. a6! Es handelt sich hier wirklich um elementare Pläne, die jeder Schachspieler können sollte.

Starke Freibauern sind das Thema der nächsten Stellung. Es wird schnell offensichtlich, wie der Bauer auf e7 den Schwarzen einschränkt, aber wie kann man dies ausnutzen? Weiß am Zug:

MdM2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich denke, das dürfte für euch Taktikfüchse wohl etwas zu leicht gewesen sein… Auf jeden Fall ist die Lösung 1. Lb3! Nun ist Dxb3 erzwungen. Darauf folgt 2. Dg6+ Kh8 3. Dxh6+ Kg8 4. Dg6+ Kh8 5. Dxe8+ gefolgt von Damenschach und Einzug des Bauern von e7 zur zweiten Dame.

In dem Unterkapitel „Freibauern bilden“ wird überzeugend gezeigt, wie man auch Figuren für weit vorgerückte Freibauern opfern kann. So ist z. B. bekannt, dass Springer weit vorgerückte Freibauern nur bedingt aufhalten können.

3) Figurenfang und Remis-Motive:

Im 3. Kapitel wird der Figurenfang behandelt. Oft geht es darum, dass eine Figur abgeschnitten ist, keine Rückzugsfelder besitzt bzw. in ihrer Bewegung eingeschränkt ist. Ein Beispiel hierzu, Weiß am Zug:

MdM4

Auf den ersten Blick wird nicht sofort ersichtlich, welche Figur gefangen werden soll, aber nach 1. Sxf6+ wird es klar, da gxf6 nach Lh6 und Se5 recht schnell verlieren dürfte, zog Schwarz Dxf6 übersah jedoch hierbei die Pointe: 2. Lg5! die Dame ist gefangen, und Lxf3 hilft leider nicht weiter, da nun stark 3. Dd2! mit Gewinn folgt.

In diesem Kapitel werden auch die Exit-Strategien taktisch untermalt, die letzte Notbremse vor dem Verlust einer Partie, das Remis. Oft tut man sich in einer Partie schwer klar zu werden, ok, jetzt muss ich aufpassen, das dürfte die letzte Chance sein, den sicheren halben Punkt einzufahren. So gibt es ein Remis durch z. B. zu wenig Material zum Matt setzen, Dauerschach, Stellungswiederholung oder Patt. Was sehen wir in diesem Beispiel, Weiß am Zug:

MdM6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. b3!? Lxb3 2. c4! Lxc4? 3. Ld5+! = und nun z. B. Lxd5 4. Te8+! Txe8 5. Dxe8+ Df8 6. Dxf8 Kxf8 Patt!

4) Angriff auf Rochadestellungen insbesondere Fianchetto, schwächster Punkt und Keilbauern am Königsflügel:

Beim Angriff auf die Rochadestellung ist wichtig, Schwächen im gegnerischen Lager schaffen oder erst lokalisieren, danach belagern und in Form einer Kombination abzuschließen. Diese Thematik wurde bereits auf der ersten DVD angeschnitten, aber hier geht es nun in medias res.

Zum Thema Keilbauern am Flügel des gegnerischen Königs ist folgende Stellung zu erwähnen, Schwarz am Zug gewinnt:

MdM5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. … Td8! und Weiß kann alle Träume begraben. Diese Kombination machte erst der Keilbauer auf b3 möglich. So klein, aber doch so stark!

5) Simulierte Turnierbedingungen:

Wie auch bei der ersten DVD ist hier eine Zusammenschau der vorangegangen Kapitel anzutreffen, jedoch weiß man nicht unter welchem Thema das aktuelle Problem läuft. Es wird an 2 x 10 Übungsstellungen getestet, ob man die Themen wirklich verinnerlicht oder doch nur ein wenig peripher gestreift hat.

Fazit

Ich finde diese zweite DVD von IM Breutigam über Schachtaktik überaus lehrreich! Die DVD ist logisch aufgebaut und folgt dem gleichen System wie die erste DVD mit Übungen, Tests und dann deren Lösungen. Irgendwie hat das zwar Schulcharakter, aber das gibt dem Lernen genau die richtige Würze! Wer möchte, kann jederzeit auf die Pause-Taste drücken, auch während den Übungsaufgaben, und kann somit den Lern-Output erhöhen. Ich denke, wenn man sich gewissenhaft mit der DVD beschäftigt, dürfte in den knapp 6,5 h das persönliche taktische Gefühl gesteigert werden. Schließlich ist es ja wichtig, dass einem gewisse Muster bereits bekannt sind, wodurch man diese nicht erst am Brett selber erfinden muss. Auf Grund der großen Anzahl an Aufgabe kann man sich die Muster der Meister, wie sie hier genannt werden, gut einprägen und üben.

Wer Interesse an dieser Taktik-DVD bekommen hat, findet sie hier im Chessbase-Shop.



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