Wie geht eigentlich… Damengambit?

Wie geht eigentlich... Damengambit?

Jetzt steht mal was ganz anderes auf dem Plan, und zwar die DVD mit dem Titel „Wie geht eigentlich… Damengambit?“. Die zwei Hauptdarsteller der DVD sind einerseits der Internationale Meister Frank Lamprecht und der Fritz & Fertig-Autor Björn Lengwenus. Beide haben viele Jahre als aktive Schachspieler und auch als Schachtrainer zu verbuchen. Diese DVD ist der Beginn einer ganzen Eröffnungsreihe. Es handelt sich nicht um eine ganz normale Eröffnungs-DVD, denn sie basiert auf einem anderen Prinzip, aber nun mehr dazu…

Aufbau

Die DVD besteht aus 21 Clips, jeweils mit einer Länge von 4 bis 34 Minuten, in denen die einzelnen Varianten im Damengambit erklärt werden. Der Zuseher wird in die Lage versetzt, wirklich von Anfang an das Damengambit zu erlenen. Hierbei übernimmt Herr Lengwenus die Rolle des Lernenden und IM Lamprecht die des Lehrers. Die Gesamtspielzeit beträgt in etwa 6,5 Stunden. Zusätzlich ist noch eine kleine Partien-Datenbank mit analysierten Partien zu finden.

Inhalt

Lengwenus und Lamprecht teilen die DVD grob in die wichtigsten Varianten ein, die beim Damengambit entstehen können. So beginnt man zuerst mit den prinzipiellen Eröffnungsgrundsätzen und geht dann immer mehr in das Eingemachte. Zug für Zug wird erläutert, was wichtige Züge sind und welche Pläne damit involviert werden. Hin und wieder werden kleine Fragen eingestreut, wie z.B. warum gerade der beschriebene Zug gut oder schlecht ist, etc. Der Zuseher soll somit das Gefühl bekommen, direkt an dem Lernprozess teilzunehmen. Die DVD ist somit primär nicht eine trockene Eröffnungs-DVD, bei der tief ausanalysierte Varianten dargeboten werden, es geht vielmehr darum, den Geist einer Eröffnung zu verstehen. Die Varianten sind eher so angelegt, dass man die meisten Kandidatenzüge findet, kurz evaluiert und dann zieht. Somit wird der Wert darauf gelegt, dass der Variantenbaum eher in die Breite wächst als in die Tiefe, was in diesem Status des Lernens viel mehr Sinn macht, anstatt sich sofort in tiefe, bis zum Endspiel ausanalysierte Varianten zu stürzen, bevor man überhaupt das Wesentliche einer Eröffnung verstanden hat.

Nun werden wir die wichtigsten Varianten des Damengambits ein wenig behandeln.

Das Damengambit ist durch folgende Züge charakterisiert: 1.d4 d5 2.c4 und dann gibt es eine Reihe von Möglichkeiten wie 2. … dxc4, e6, Sc6, e5, c5, und eher seltenere Züge sind Lf5, Le6 und Sf6.

1) Angenommenes Damengambit mit 2. … dxc4.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In dieser Variante kann verfolgt werden, warum die Eröffnung DamenGAMBIT heißt. Der weiße Bauer, seitlich links der Dame wird auf c4 für eine gewisse Zeit geopfert, um ihn früher oder später wieder abzuholen, am besten ohne Tempoverlust. Seltener wird der Bauer komplett für Kompensation geopfert, wie es beispielsweise bei der Katalanischen Eröffnung der Fall ist, was aber durchaus eine Möglichkeit wäre. Nun war früher die allgemeine Fortsetzung auf 2. … dxc4 3.e4, aber Schwarz kann dann mittels 3. … e5 gutes Spiel erhalten. Etwas ruhiger ist auch 3.e3, wo allerdings auch e5 eine gute Erwiderung von Schwarz ist. Aus diesem Grund hat sich 3.Sf3 durchgesetzt. Die direkte Verteidigung des schwarzen (Mehr)Bauern auf c4 mittels b5 ist nicht ratsam, da Weiß mit a4, b3 und gegebenenfalls Df3 (die weiße lange Diagonale ist offen!) gutes Spiel erhält. Besser setzt Schwarz mit Figurenentwicklung fort, 3. … Sf6 4.e3 und nun folgt auf b5 5.a4 Lb7 6.b3. Die Hauptvariante ist eher 4. … e6 oder Lg4, bei beiden Varianten bekommt Weiß den Bauern auf c4 zurück.

2) Die Abtauschvariante

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.cxd5 exd5 5.Lg5 c6 6.Dc2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der letzte Zug von Weiß verhindert das Feld f5 für das Sorgenkind von Schwarz, den weißfeldrigen Läufer. Oft geht es hier darum, gute Felder für diesen Läufer zu finden, und es ist in gewissen Varianten auch empfohlen g6 zu ziehen, einen Springer auf g7 einzunisten, wodurch das Feld f5 überdeckt wird, und der Läufer dort ein schönes Plätzchen findet. Diese Variante sieht zwar etwas ruhiger aus, aber Weiß kann auf einen kleinen Vorteil hoffen.

3) Das klassische Damengambit

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Le7 5.e3 0-0 6.Sf3 Sbd7 7.Tc1 c6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier ist eine mögliche Grundstellung des klassischen Damengambits erreicht. Beide Seiten haben genug Potential für vollwertiges Spiel. So kann Schwarz z.B. nach 8.Ld3 dxc4 9.Lxc4 mittels Sd5 das „Capablanca Entlastungmanöver“ einleiten, bei dem der Läufer auf e7 mit dem auf g5 getauscht wird.

4) Cambridge Springs

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Sbd7 5.e3 c6 6.Sf3 Da5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Cambridge Springs Variante können sehr scharfe und forcierte Stellungen entstehen, bei der Weiß recht gut aufpassen muss, da der Springer auf c3 leicht mal überlastet sein kann. Nun sind 7.Sd2 und cxd5 die Hauptvarianten.

5) Tartakower-Variante und Lasker-Verteidigung

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Le7 5.e3 0-0 6.Sf3 h6 7.Lh4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… und nun führt 7. … b6 zur Tartakower-Variante mit z.B. 8.Le2 Lb7 9.Lxf6 Lxf6 10.cxd5 exd5 11.b4. Oder, mittels 7. … Se4 kann man die Lasker-Verteidigung anstreben, 8.Lxe7 Dxe7 9.cxd5 Sxc3 10.bxc3 exd5 11.Db3 Td8.

6) Tarrasch-Verteidigung

Die Tarrasch-Verteidgung kann über Zugumstellung auch aus anderen Eröffnungen wie z.B. dem Katalanisch entstehen. 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c5 4.cxd5 exd5 5.Sf3 Sc6 und nun 6.g3. Es wäre möglich mit 6. … Sf6 7.Lg2 Le7 8.0-0 0-0 9.Lg5 c4 10.Se5 Le6 fortzusetzen. Es entsteht ein interessantes Figurenspiel.

7) Alatortsev-Variante

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Le7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun kann folgen 4.Sf3 Sf6 5.Lg5 oder 4.cxd5 exd5 5.Lf4 Sf6 6.e3 Lf5 7.Db3 bzw. 6.Dc2, das wieder gegen Lf5 gerichtet ist.

8) Ragozin- und Wiener-Variante

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Sf3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier trennen sich die zwei Varianten in 4. … Lb4, der Ragozin-Variante, bei der folgt z.B. 5.cxd5 exd5 oder 4. … dxc4, der Wiener-Variante, in welcher so fortgesetzt werden kann: 5.e4 Lb4 6.Lg5 c5 7.Lxc4.

9) Damengambit mit 2. … Lf5

Dieser Zug wird eher seltener gespielt,Weiß setzt am besten mit 3.cxd5 Lxb1 4.Da4+ c6 5.dxc6 Sxc6 6.Txb1 fort. Weiß hat aktivere Figuren und kann dank des Läuferpaares auf mehr hoffen.

10) Albins-Gegengambit

1.d4 d5 2.c4 und nun leitet e5 in das Albins-Gegengambit ein, aus dem sehr scharfe Stellungen entstehen können. Es könnte folgen 3.dxe5 d4 4.Sf3 Sc6 und nun entweder 5.a3, g3 oder Sbd2.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11) Chigorin-Verteidigung

Die letzte behandelte Variante ist zur Vollständigkeit noch zu erwähnen, 1.d4 d5 2.c4 und nun Sc6 3.Sf3 Lg4 4.Sc3 e6 5. Lf4. Hierzu gibt es auch eine Partie von Kramnik gegen Morozevich in der zur Verfügung gestellten Partie-Datenbank.

Fazit

Die DVD ist logisch aufgebaut, und ist vor allem an Spieler gerichtet, die sich frisch an die Eröffnung Damengambit heranwagen und somit alles Wesentliche aufschnappen können. Die Vortragsweise mit Lehrendem und Lernendem ist interessant, und man kann sich gut in die Rolle des Schülers versetzen. Die Atmosphäre während der Präsentation ist sehr locker, und das laute Denken kombiniert mit Witz lassen auf mehr hoffen. Vielleicht könnte man dies in Zukunft noch ein wenig ausbauen, mit etwas mehr Testfragen für den Zuseher oder dergleichen. Aber unterm Strich ist das neue Konzept der DVD sehr gut gelungen und verschafft innerhalb ein paar Stunden einen guten Überblick über die zeitlose Eröffnung Damengambit. Wer Interesse bekommen hat die ganze DVD zu erforschen, findet sie hier im Online-Shop.



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