Die schönsten Partien der Schachgeschichte – Band 3

Die schönsten Partien der Schachgeschichte – Band 3

Im Laufe dieses Jahres ist Band 3 von „Die schönsten Partien der Schachgeschichte“ erschienen. Wie soll es anders sein, auch hier hat sich GM Dr. Helmut Pfleger wieder richtige Schmankerln herausgesucht. Im Gegensatz zu Band 1 & 2 sind in diesem Band 3 nur Partien der letzten paar Jahre zu finden, wovon einige noch nicht einmal 1 Jahr alt sind, also top aktuelle Partien! Da sich Pfleger vergleichsweise in den letzten Jahren aus der Schachszene als Kommentator etwas zurückgezogen hat, sind zwar keine Geschichten aus erster Hand anzutreffen, nichts desto trotz finden sich zahlreiche Anekdoten und auch Zitate der Profis wieder. Es sind also Partien von Anand, Topalov, Kramnik über Carlsen bis hin zu Yifan zu finden, welche nicht mit ausgefuchsten und schönen Kombinationen gespart haben!

Aufbau

Ich denke zum Aufbau dürfte nicht viel hinzuzufügen sein, alles bleibt beim alten Schema: GM Pfleger bespricht jede Partie nach einander, teilweise Zug für Zug, in einer Art und Weise, dass sogar Anfänger bis Amateure leicht folgen können.

Inhalt

Auf dieser DVD sind zehn Partien von überaus sehenswertem Charakter in Clips zu jeweils zirka 20-40 Minuten präsentiert und insgesamt ist Videomaterial von zirka 5 Stunden vorhanden. Im Detail sind es folgende Partien:

Partie 1: Magnus Carlsen (2823) – Vassily Ivanchuk (2765), Grand Slam Final 4th (9) 2011

Bei dem Grand Slam Finale 2011, ein Turnier das sowohl in Sao Paulo als auch Bilbao stattfand, bekommt es der Jungstar Carlsen mit dem Ukrainer Ivanchuk zu tun. Aus einer Nimzoindischen Verteidigung entbrennt schon anfangs ein heißer Kampf. Nach dem 13. Zug d4-d5 treibt Carlsen einen vermeintlichen Keil zwischen Damen- und Königsflügel. Nach 16. … De8-h5 entsteht folgende Stellung:

Wie kann Weiß am Zug seine Übermacht an Aktivität ausnützen?

17. Txd7! (und nun erlaubt sich 17. … Sxd7 nicht wegen Damenfang: 18. Lxh7+ Kh8 19. Lg6 Dg4 20. h3 +-) Kh8 18. Te7 Sd5 19. Lg4 Dg6 20. Sf7+ Kg8 und mit 21. Lf5 wickelt Carlsen in ein für ihn leichter zu spielendes Endspiel ab und verwertet den vollen Punkt.

Partie 2: Fabiano Caruana (2721) – Viktor Kortschnoj (2544), Gibraltar Masters 9th (2) 2011

Zirka 60 Jahre trennen diese beiden Kontrahenten voneinander, auch die Elozahl scheint trügerisch! Kortschnoj, der mit zirka 80 Jahren noch Weltklasseschach zeigt, kann sich in der Partie in einer Spanischen Eröffnung behaupten und den Weißvorteil bald egalisieren. Caruana stellt zwar im 35. Zug noch eine Dauerschachfalle auf, aber das war wohl etwas zu trivial für Herrn Kortschnoj, der den Jüngling in überzeugender Manier zusammenschob.

Partie 3: Boris Gelfand (2746) – Baadur Jobava (2712), EU-Cup 27th 2011

In dieser Partie gespielt in Rogaska Slatina nutzt der für Israel spielende Weißrusse Gelfand einen sehr frühen Eröffnungsfehler von seinem Kontrahenten im Benoni aus. Gelfand kann Jobava schon nach wenigen Zügen unter Druck setzen, gewinnt einen Bauern, einen zweiten und sogar dritten Bauern. Dann reicht es ihm und er opfert anschließend seine Dame für zwei Leichtfiguren, eine Wahnsinnspartie! Ein Augenschmaus ist die Schlussstellung nach 29. Le3-g5 1-0!

 

Partie 4: Anish Giri (2714) – Levon Aronian (2805), Tata Steel-A 74th 2012

In dieser in Wijk an Zee gespielten Partie entsteht nach einem Damengambit ein ruhiges Mittelspiel, denkt man zuerst. Schnell wird klar, dass es wohl zu keiner friedlichen Einigung per Remis geben wird. Im 13. Zug lädt Giri seinen Gegner auf ein Turmopfer ein, und prompt angenommen. Aronian hält die Stellung gut geschlossen, optimiert seine Figuren und überspielt Giri gekonnt. Am Schluss gibt es noch ein schönes Springeropfer, das das Leiden von Weiß schnell reduziert, denn Giri gibt zwei Züge danach auf!

Partie 5: Jan Gustafsson (2633) – Zahar Efimenko (2702), EU-chT (Men) 18th 2011

Diese Partie ist ein Grund dafür, dass es Deutschland 2011 bei der Mannschaftseuropameisterschaft bis an die Spitze, Platz 1, geschafft hat. Die deutschen Spieler waren komplett beflügelt und haben das fast Unmögliche geschafft, respekt! Nach einem wiederum sehr ruhigen Damengambit steht das Brett in Flammen.

Stellung nach 25. … Se4-f6, Weiß hat einen forcierten Gewinnweg, aber nur wenn man ihn bis zum Ende findet, garantiert es diesen… Weiß am Zug:

26. Txf6! (Keine Alternativen!) Dxf6 27. Lh7+! Kf8 (auf Kh8 folgt 28. Lg5 mit Damenverlust) 28. Lg5 Te5  und nun???? 29. Lf5!! Ein Hammerzug! Schwarz kann sofort aufgeben!

Partie 6: Gata Kamsky (2741) – Peter Svidler (2739), Fide World Cup (4.2) 2011

Kamsky, der nach einem Comeback wieder an der Weltspitze vertreten ist, hat es mit dem 6fachen russischen Meister zu tun, Svidler. Für eine Spanische Eröffnung eher unüblich geht es schon bald mit den ersten Geplänkeleien los. Keiner will dem anderen Spieler was lassen, ein Kampf ohne Kompromisse!

Nach 26. Sc6xb8 entsteht folgende Stellung: Wie gewinnt Schwarz nun ohne Wenn und Aber?

26. … Te2!! Es ist sofort aus: 27. Dxe2 Dg3! und das Matt auf g2 ist nicht abdeckbar. In der Partie folgt 27. Dc3 Txf2 28. Sc6 Txf1+ und Kamsky gab auf.

Partie 7: Vladimir Kramnik (2772) – Viswanathan Anand (2783), World Championship (5) 2008

In Bonn wird diese entscheidende Partie der Weltmeisterschaft 2008 ausgetragen. Wiederum in einem Damengambit, hier der Meraner-Variante, kommt Anand mit Schwarz bald zu Ausgleich und kämpft etwas später um den Sieg. Eine etwa ausgeglichene Stellung entsteht nach 28. … Tc3.

Weiß am Zug, kann man den Bauern auf d4 nehmen? Kramnik tut es, gewinnt er damit?

29. Sxd4?? Dxd4 30. Td1 Sf6 31. Txd4 Sxg4 32. Td7+ Kf6 33. Txb7 Tc1+ 34. Lf1 und nun?

War es das? Nein, mitnichten! Se3 und Kramnik kann aufgeben! Es folgen noch ein paar Züge, aber eher nur formhalber.

Partie 8: Georg Meier (2656) – Vladimir Kramnik (2781), Dortmund SuperGM 39th (2) 2011

Für Kramnik ist das Dortmunder SuperGM-Turnier immer was Besonderes, vor allem auch, weil er mehrfacher Sieger dieses hochkarätigen Turniers ist. In dieser Partie spielt er gegen Meier, einer der besten deutschen Schachspieler. Nach einer Damenindischen Eröffnung folgt ein ruhiges Mittelspiel. Die Partie spitzt sich zu und Kramnik setzt alles auf eine Karte. Im folgenden taktischen Kampf überspielt er Meier und sichert sich den Sieg.

Partie 9: Veselin Topalov (2805) – Viswanathan Anand (2787), World Championship (12) 2010

In Sofia wird die Weltmeisterschaft 2010 ausgetragen. Es steht 5.5 zu 5.5 Punkten, das heißt die alles entscheidende Partie muss ausgetragen werden. Anand, der als weltbester Schnell- und Blitzschachspieler gilt, hat sich vermutlich mit einem Remis begnügt, aber Topalov riskiert zu viel und überspannt den Bogen. Nach einer Königswanderung entsteht ein für ihn verlorenes Endspiel, sehenswert, wie schnell es abwärts gehen kann.

Partie 10: Hou Yifan (2605) – Le Quang Liem (2714), Tradewise Gibraltar Chess Festival 8.3.) 2012

Yifan, die derzeit drittstärkste Frau der Welt und amtierende Weltmeisterin, hat beim Gibraltar Open auf sich aufmerksam gemacht: Sie gewann einige Partien gegen starke GMs und stand am Schluss ganz oben auf dem Treppchen. In der Partie gegen Quang Liem entsteht nach einer Sizilianischen Eröffnung eine sehr scharfe Stellung. Sie opfert einen Bauern auf e5, fesselt dafür eine Figur, dadurch sind die folgenden Abwicklungen geprägt. Am Schluss bringt sie noch ein sehenswertes Turmopfer auf das Brett und ihr Gegner kann wenige Züge später die Segel streichen.

Fazit

In der dritten DVD der Serie der Juwelen der Schachgeschichte wird ein Fokus auf aktuelle Meister des Schachs gelegt. Dies ändert aber nicht die Qualität und den Stil der Präsentation. Der Schachinteressierte sucht schöne Partien mit einem unglaublichen Finish, oder tollen Kombinationen? Dann ist man hier richtig! Top-Spieler wie Carlsen, Anand, Kramnik oder auch Yifan als Vertreterin der Frauen sind das Highlight dieser DVD.

Wer Interesse an dieser DVD gefunden hat, findet sie hier im Online-Shop.



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