Die erfolgreiche Landesmeisterschaft in Telfs. Oder, für die Enttäuschten: The loser now will be later to win (Dylan)

Die erfolgreiche Landesmeisterschaft in Telfs. Oder, für die Enttäuschten: The loser now will be later to win (Dylan)

Niemals wollte ich einen Bericht mit der ansonsten zumeist obligatorischen Danksagung an die Organisatoren eines Jugendbewerbs einleiten, doch in diesem speziellen Fall scheint es mir durchaus angebracht. Das Sportzentrum in Telfs war Austragungsort der Tiroler Jugend-Landesmeisterschaft 2012 und eine nahezu perfekte Location für diese Veranstaltung. Die nette und großzügige Art der Organisatoren mit den Kindern umzugehen ist außerdem lobend hervorzuheben. Wenn ich mich an die Meisterschaften in meiner Jugend (klingt zwar ein bisschen archaisch, ist aber noch gar nicht soooo lange her) erinnere, so spuken mir Bilder von nervösen Kindern im Kopf herum, die zwischen den Partien in die Analyse vertieft waren. Ein ganz anderes Bild hat sich vergangenes Wochenende in Telfs dargeboten. Von Nervosität keine Spur und auch übertriebener Ehrgeiz schien keinen Platz zu haben, im Gegenteil wurden nach den Partien die Sieger von den Verlieren oft mit einem lobenden „hast du schön gesehen“ oder Vergleichbarem honoriert (Fällt mir selbst heute noch schwer, da kann ich noch was von den Kleinen lernen) und die Zeit zwischen den Runden wurde für soziale Interaktion zwischen den Protagonisten genutzt. Großes Lob allen Teilnehmern, die den Vorurteilen gegen den schönen königlichen Sport mit ihrer erfrischenden Art eine Absage erteilten.

Um an diesem zweitägigen Turnier teilnehmen zu dürfen, musste man sich zuvor im Rahmen der Schachrallyes, welche in relativ regelmäßigem Turnus stattfinden, qualifizieren. Neun Kindern der Tiroler Schachschule gelang es sich in die Tiroler Elite zu spielen und sich, soviel sei schon vorweggenommen, zu etablieren. Die Innsbrucker Schach-Institution darf sich in jeder Alterskategorie, in der ihre Schützlinge antraten über „Stockerlplätze“ freuen. Am stärksten Vertreten war die Schachschule in der Kategorie Burschen unter zehn Jahren, hier durften wir gleich vier Teilnehmer entsenden, nämlich Laurin Wischounig, Felix Prader, Josef Leberer und Simon Eliskases. Die Burschen unter acht mussten (oder durften) sich nicht nur untereinander, sondern auch mit den Mädchen unter zehn Jahren messen. Die schlussendliche Wertung erfolgt freilich separat. In dieser Konkurrenz partizipierten Savannah Fürst (Mädels U10) und Noel Rohrleitner (Boys U8), die beide zu den Mitfavoriten in ihren Kategorien zählten. Savannahs große Schwester Lola trat neben der Topfavoritin Chiara Polterauer für die Schachschule bei den Mädchen unter zwölf an. Außerdem rang Stefan Leitl in der stark besetzten Gruppe der unter zwölfjährigen Jungs um Punkte.

Der erste Wettkampftag gab Eltern, Betreuern und selbstverständlich den jungen Kämpfern Grund für Optimismus. Stefan gelang mit drei Punkten aus vier Partien (einziger Punkteverlust gegen den haushohen Favoriten Philipp Pali) eine mittelgroße Sensation. Dieselbe Überraschung gelang Savannah, die nur einen halben Zähler aus ihren vier Partien abgab und die Favoritin Miriam Wurzer in die Knie zwang (oder für jene, die ein weniger kämpferisches Vokabular präferieren: austricksen konnte). Laurin und Chiara blieben sogar ohne Punkteverlust und ließen auf Titel hoffen. Letztere bezwang sogar alle direkten Konkurrentinnen schon am ersten Tag und musste sich am Sonntag den älteren Mädels stellen. Chancen auf die begehrten Trophäen hatte außerdem Noel, obwohl er sich dem großen Kontrahenten von kleiner Gestalt, Johannes Lerch, geschlagen geben musste. Josef Leberer, Felix Prader sowie Lola erfüllten ihre Erwartungen, während Simon nach dem Auftakt-Remis gegen den Erstgesetzten Marlon Beslic etwas glücklos blieb.

Am Entscheidungstag lagen die Nerven blank (bei mir, nicht bei den Kindern). Die erste der verbleibenden Runden lief sehr gut, die Titelchancen blieben für Noel und Laurin in Takt, Chiara konnte die Führung in ihrer Kategorie mit einer Punkteteilung gegen die starke Martina Dalnodar aus Landeck behaupten, Lola bezwang Jasmin Lamp und konnte in der Tabelle nach vorne rücken. Die zweite Partie am Sonntag, die zugleich vorletzte Partie der Konkurrenz,  war leider auch unser „Waterloo“. Noel verlor gegen Miriam Wurzer, die damit die bis dato führende Savannah einholen konnte, Stefan, der bereits wie der sichere Sieger in seinem Duell aussah, musste nach einem einzügigen Überseher die Waffen strecken und Laurin verlor die wichtige Partie gegen den ersten Verfolger.

In der letzten Runde beeindruckte mich einmal mehr die Coolness unserer Schützlinge. Noel, Savannah, Felix, Laurin, Stefan und Chiara punkteten voll. Savannah gelang damit eine Überraschung, wenn nicht eine Sensation, denn sie konnte die favorisierte Miriam hinter sich lassen, ist nun amtierende Tiroler Meisterin in der Kategorie Mädchen unter 10 und wird das Alpenland bei den Staatsmeisterschaften in der Steiermark vertreten. Einen epochalen Triumph feierte auch Chiara, die sich den Titel in souveränster Manier sicherte und mit sieben aus acht ein beeindruckendes Ergebnis erzielte. Chiara hat sich somit für die Konkurrenz auf Bundesebene in Tschagguns (unglücklicher Austragungsort, da sprech ich aus Erfahrung: ziemliches Kaff) qualifiziert. Die silbernen Burschen heißen Noel und Laurin, die sich jeweils nur knapp geschlagen geben mußten und bis zuletzt um den Titel mitfighteten. Mit dem dritten Platz schaffte Stefan ein hervorragendes Resultat, das Teilnehmerfeld war, wie eingangs erwähnt, fürchterlich stark, seine Leistung ist deshalb kaum zu überschätzen. Auch Lola sicherte sich nach einem tollen Turnier den bronzenen Stockerlplatz. Felix Prader wurde knapp vor Josef Vierter, beide dürfen zufrieden sein, wenngleich ich mir sicher bin, dass eine Überraschung im Bereich des Möglichen gewesen wäre. Simon konnte leider nur einen Punkt erzielen, doch wie bereits betont war eine ordentliche Portion Pech dabei. Die Konstanz muss sich der junge Mann zwar noch erarbeiten, aber ein Talent ist er jedenfalls.

Medaillenspiegel
Bilder

Endstand BU8/MU10
Endstand BU10
Endstand MU12/MU14
Endstand BU12



3 Kommentare zu Die erfolgreiche Landesmeisterschaft in Telfs. Oder, für die Enttäuschten: The loser now will be later to win (Dylan)

  1. Philipp

    Super Text Stefan, danke! Man hat fast das Gefühl live dabei gewesen zu sein!! 😉

  2. mario glanznig

    Gratulation an die Tiroler Schachschule, die Trainer und die erfolgreichen SpielerInnen!

  3. Alex

    Also ich erinnere mich auch noch an Tschagguns… Mein Beileid an alle, die da noch hin müssen…
    sehr schöner Artikel Stefan, die Tage waren wahrlich Nerven aufreibend.

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